Ungeachtet der Art und Ausprägung der geistigen Beeinträchtigung sollten zunächst alle Menschen mit geistiger Beeinträchtigung in die Handicap3 -Gruppe eingeteilt werden. Es gibt auf der Welt so viele verschiedene Formen und Ursachen der geistigen Beeinträchtigung, da macht es keinen Sinn, einige ausführlich zu besprechen und andere nicht. Man muss hier immer wieder schauen, wie jemand Aufträge und Kommandos umsetzen kann und darf nicht generalisieren. Das heißt, von vornherein Dinge nicht als unmöglich praktizierbar einzustufen oder als Kleinigkeit zu betrachten.

 

Gerade bei geistigen Beeinträchtigungen müssen wir immer nach körperlichen Beeinträchtigungen oder anderen Erkrankungen fragen. Die Kommunikation mit dem Betroffenen und dem Tauchlehrer ist sehr wichtig. Da es aber sein kann, dass Dinge nicht richtig verstanden werden oder manche Menschen nicht in der Lage sind, ihre Defizite zu kompensieren, ist hier die Rücksprache mit Angehörigen oder Betreuern sehr wichtig. Diese Leute wissen in der Regel am besten, mit welchen Tricks und Kniffen man den Beeinträchtigten motivieren oder herausfordern kann.

 

Absicherungstechnisch müssen wir im Vorfeld immer klären, wer zum Beispiel der gesetzliche Betreuer einer Person ist. In diesem Zuge sei noch erwähnt, dass bei Menschen mit Down-Syndrom oft Herzprobleme vorliegen. Hiernach fragen wir besonders.

 

Die zentrale Aussage beim Tauchen mit Menschen mit geistiger Beeinträchtigung ist "Erleben statt Erlernen". Es geht also nicht darum, möglichst viel Theorie oder Tauchfertigkeiten zu lehren. Vielmehr steht das Erlebnis der annähernden Schwerelosigkeit und das Ausüben einer sehr besonderen Aktivität im Vordergrund. Deshalb lehnen wir das Tauchen mit Geistig beeinträchtigten Menschen sehr an das Kindertauchen an.

 

Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass viele geistig beeinträchtigte Menschen sehr gut durch Nachahmung lernen. Wir machen also Dinge ohne Zwang auch mal vor und lassen die Betroffenen dann einfach mal machen. Oft ist dies der viel einfachere Weg, Dinge zu vermitteln.

 

Ein autistischer Taucher, mit dem wir nur sehr schwer in Kontakt treten konnten, ahmte das Atmen durch die zweite Stufe unter Wasser nach, ohne dass vorher etwas mit ihm besprochen wurde. Gerade hier spielt die Aussage, dass Behinderte durch ihr Umfeld oft behinderter gemacht werden als sie sind, eine ganz zentrale Rolle.

 

Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen entwickeln häufig ungeahnte Fähigkeiten, wenn sie die Möglichkeit dazu bekommen. Das bedenken wir immer in Rahmen unserer Arbeit. Wir lassen Betroffene ruhig mal experimentieren.

 

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